Synonyme

Unruhe, innere Unruhe

Definition

Frau kaut an den Fingernägel

Nervosität ist eine Form der inneren Unruhe ist völlig normal und wird beispielsweise als Ausdruck von Freunde, Spannung oder Sorge erlebt. Nervosität kann sich aber auch auf das gesamte Erleben ausbreiten und andauern. Dann führt Nervosität zu Reizbarkeit, schlechter Stimmung oder – nach längerer Zeit – sogar zu körperlichen oder seelischen Erkrankungen.

Das meistbeschriebene Symptom von Nervosität ist wohl eine steigende oder anhaltende Ungeduld. Das äußert sich beispielsweise in wiederholten Blicken auf die Uhr, in motorischer Unruhe wie Händereiben oder Auf-und-ab-Gehen. Die Gedanken kreisen immer wieder um den Anlass für die Nervosität. Man ist unruhig und weniger gelassen.

Anhaltende Nervosität setzt den Körper und die Seele unter Stress. Folgen von übersteigerter oder dauernder Nervosität sind dann die stressbedingten oder durch Stress begünstigten Erkrankungen. Als Beispiele seien erhöhter Blutdruck, nervöse Magen-Darm-Beschwerden wie Reizdarm und Magengeschwüre, Angst, Angststörungen und Depressionen sowie Schlafstörungen genannt.

Symptome

Die nervöse Unruhe wird von körperlichen Symptomen begleitet, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Typisch sind beispielsweise:

  • beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag (Herzrasen, Herzrhythmusstörungen)
  • erhöhte Atemfrequenz
  • vermehrtes Schwitzen, feuchte Hände
  • Händezittern
  • unruhige Augenbewegungen, Lidflattern
  • Erröten im Gesicht oder Blässe
  • flaues Gefühl im Magen, mitunter Durchfall
  • motorische Unruhe (Zappeligkeit und Hibbeligkeit)
  • verstärkter Bewegungsdrang.

Psychische Symptome von Nervosität

  • wachsende Ungeduld
  • negative Gedankenspiralen
  • gesteigerte Erregbarkeit oder Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen, verminderte Aufmerksamkeit
  • unkontrolliertes Sprechen.

Ursachen

Eine gesunde Nervosität stellt sich in der Regel ein, wenn wir mit Umständen konfrontiert sind, die für unser Leben eine große Bedeutung haben. Insofern ist Nervosität Ausdruck einer gespannten Erwartungshaltung, die eine konstruktive Konzentration auf wichtige Erlebnisse fördert.

Warum diese gesunde Form der Nervosität mitunter entgleist und sich verselbstständigt, ist nicht geklärt. Hier gibt es, ähnlich wie bei dauerhaftem Stress oder überhöhter Angst, eine Vielzahl von Erklärungsmodellen. Wahrscheinlich entwickelt sich übersteigerte Nervosität aus einer Kombination verschiedener Ursachen. Dabei spielen die erbliche Veranlagung, erlerntes Verhalten (auch frühkindliche Sozialisation) und persönliche Entwicklung eine Rolle.

Behandlung

Bei ausgeprägter und anhaltender Nervosität kann es notwendig werden, dass der Arzt Ihnen vorübergehend Medikamente gegen Nervosität verordnet. Das können beispielsweise beruhigende und angstlösende Antidepressiva wie Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin sein. Auch sogenannte Benzodiazepine wie Bromazepam, Diazepam, Lorazepam und Oxazepam kommen bei starken Unruhezuständen und als Schlafmittel zur Anwendung. Aber Vorsicht: Benzodiazepine machen schnell abhängig und sollten daher nur sehr kurzfristig und unter ständiger ärztlicher Kontrolle verwendet werden. Mitunter werden auch Nervendämpfungsmittel wie Chlorprothixen und Perphenazin sowie der stark beruhigende Wirkstoff Clomethiazol verordnet. Stimmungsaufhellend bei andauernder nervöser Unruhe wirken unter anderem Paroxetin und Trimipramin.

Selbsthilfe: Hausmittel gegen Nervosität

Gegen Nervosität sind Hausmittel das Mittel der Wahl, wenn die Nervosität nicht schon so weit um sich gegriffen hat, dass Folgeerkrankungen entstanden sind. Typische Hausmittel gegen Nervosität lindern die Symptome wie erhöhte Atemfrequenz oder beschleunigten Herzschlag und bessern allgemein die innere Unruhe.

Atemübungen

So wie Nervosität mit erhöhter Atemfrequenz einhergeht, kann eine ruhige Atmung umgekehrt Nervosität lindern. Der Volksmund empfiehlt: erst mal tief durchatmen. Und das können Sie wörtlich nehmen. Atmen Sie gegen Nervosität und innere Ruhe bewusst tief bis in den Bauch ein, halten Sie kurz inne und atmen Sie dann langsam wieder aus. Im günstigsten Fall legen Sie sich für diese vertiefte Bauchatmung flach auf den Rücken. Mit den Händen auf dem Bauch können Sie prüfen, ob Sie bis in den Bauch atmen.

Bewusste Gedanken

Sie können das Gedankenkarussell, das sich bei Nervosität immer schneller zu kreisen scheint, mit bewussten Gedanken bremsen. Das funktioniert auch in Kombination mit Atemübungen. Sagen Sie sich beispielsweise mit dem Einatmen: „Ich atme Ruhe ein“ und mit dem Ausatmen „Ich atme Ruhe aus“. Die bewussten Gedanken gegen Nervosität entstammen einer einfachen Übung des Autogenen Trainings. Eine solche Formel, das Gedankenkarussell anzuhalten, könnte kurz auch „Stopp!“ lauten.

Entspannungstechniken

Das bereits erwähnte Autogene Training ist eine der Entspannungsmethoden, mit denen Sie gut gegen Nervosität angehen können. Ebenso geeignet sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Meditationen, Gedankenreisen und andere Imaginationen von Orten oder Umständen, die Sie mit Ruhe und Sicherheit verbinden. Entsprechende Kurse werden von zahlreichen Krankenkassen – häufig kostenfrei – und Volkshochschulen oder Gesundheitszentren angeboten.

Weitere Hausmittel gegen Nervosität

Verzichten Sie auf anregende Getränke mit Koffein, das übrigens auch in Schwarzem Tee enthalten ist. Besser sind grüne Tees, Kräutertees (beispielsweise mit Kamille, Melisse oder Fenchel) oder Saftschorlen. Ein Liter Buttermilch am Tag soll ebenfalls die Nerven stärken.

Warme Bäder – mit Kräuterzusätzen aus Lavendel beispielsweise – entfalten eine entspannende Wirkung und helfen so gegen Nervosität.

Ein ganz einfaches Hausmittel gegen Nervosität ist Bewegung. Agieren Sie die Nervosität einfach aus. Wenn es zu Ihnen passt, können Sie sich an einem Sandsack verausgaben. Ein wildes Tänzchen ohne Zuschauer mag zwar befremdlich wirken, aber auch entspannend.

Pflanzliche Mittel gegen Nervosität

Kamille, Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblumenkraut oder Lavendel: Die Natur hält eine ganze Reihe von pflanzlichen Mitteln gegen Nervosität und innere Unruhe bereit. Sie können diese Wirkstoffe als Extrakt in Form von Tabletten oder Tropfen einnehmen und auch als Tee, Aroma-Öl oder Badezusatz nutzen.

Vorbeugung

Nervosität und eine gewisse innere Anspannung vor wichtigen Ereignissen gehören ganz normal zum Leben und bedürfen keiner Vorbeugung. Ein bisschen Aufregung macht häufig das Besondere eines Moments aus. Ständiger Nervosität hingegen können Sie mit den unter Selbsthilfe genannten Mitteln vorbeugen, also vor allem mit Entspannungstechniken und unaufgeregten Gedanken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 17.07.2013